Kurzer Zwischenbericht – 14.10.2015

 

Nach langer Vorarbeit und vielen Treffen konnten wir am 28.07.2015 endlich mit unserem Deutschunterricht für Flüchtlinge starten. Wir hatten uns im Vorfeld mit Frau Attarbashi zusammengetan, die mit ihrem Verein Come In e.V. schon viele benachteiligte Jugendliche auf ihrem Bildungsweg unterstützt hat. Sie hat uns die Lehrmaterialien für den Unterricht zur Verfügung gestellt und kam vor allem in der Anfangsphase öfter dazu um uns tatkräftig zu unterstützen.

Da wir in den ersten Wochen noch keine festen Räumlichkeiten hatten, konnten wir nur spontan in der Wandsbeker Bücherhalle einen Gruppenraum für uns reservieren. Wir haben drei Mal die Woche für jeweils zwei Stunden unterrichtet.

In der ersten Woche waren wir ca. acht Lehrer. Schon nach dem ersten Kontakt waren alle Vorurteile verschwunden. Unsere Schüler waren wirklich humorvoll und man hat ihnen die Motivation Deutsch zu lernen angesehen.

Zu Beginn hatten wir ungefähr sechs afghanische Schüler, welche alle minderjährig und unbegleitet nach Deutschland gekommen waren. Der Vorteil unserer Gruppe ist, dass wir viele Lehrer mit afghanischem und iranischem Hintergrund haben, die unseren Schülern dann schwierigere Themen auf ihrer Muttersprache erklären können.

 

Generell achten wir jedoch beim Unterrichten darauf möglichst wenig andere Sprachen zu sprechen und weichen nur bei komplizierten Sachverhalten auf dieses Verfahren aus. Prinzipiell hat sich dies jedoch als großer Vorteil beim Unterrichten erwiesen. Auch die Lehrer, die kein Farsi bzw. Dari sprechen, haben meist durch den Unterricht etwas von der Sprache mitnehmen können, was sehr schön ist.

Wir waren anfangs also mehr Lehrer als Schüler, was sich aber relativ schnell geändert hat. Unsere Schüler haben untereinander und bei Freunden viel Werbung gemacht, sodass sich schon bald unsere Gruppe auf 15-20 Schüler ausweitete. Dennoch haben wir versucht möglichst individuell auf die Schüler einzugehen und sie nach dem jeweiligen Sprachniveau in Gruppen einzuteilen, um einen effektiven Unterricht zu gewährleisten.

Bereits nach der ersten Woche konnten wir erfreulicherweise feste Räumlichkeiten der Uni Hamburg nutzen. Die Räume an der Alsterterrasse 1 waren schön groß und hell. Mittlerweile hatten wir vier große Ordner voll mit DaF/DaZ – Lehrmaterialien und durch unsere Schichtpläne über Google Drive einen geregelteren Unterricht als noch zu Anfang.

Wir kamen und kommen alle wirklich gerne zum Unterricht, weil die Atmosphäre sehr angenehm ist. Wie wir in unserem Teamtreffen vor Beginn des Projektes besprochen hatten,  sollte der Unterricht nicht nur ein Sprachkurs sein, sondern unseren Schülern viel mehr Anschluss geben. In den Vorbesprechungen zum Unterricht hatten wir darüber hinaus besprochen, in etwas fernerer Zukunft Mentor – Mentee Beziehungen anzustreben, um auch auf individuelle Probleme eingehen zu können. Zu vielen Schülern hat sich dies unterbewusst bereits entwickelt. Viele Schüler erzählten uns von ihrem Fluchtweg und den Gründen, die sie dazu bewogen haben diese Reise auf sich zu nehmen. Andere Schüler haben wir zu Behördengängen und Terminen an der Universität begleitet. Es haben sich Freundschaften entwickelt, wir haben unsere Schüler sehr ins Herz geschlossen.

Lehrer, die im Vorfeld nur an einem der drei Tage Zeit hatten, fehlten an keinem Tag mehr, die Stimmung und die Atmosphäre waren einfach sehr angenehm. Da viele von uns Studenten und Schüler sind, passte uns der Start unseres Projekts zeitlich sehr gut aufgrund der Schul- und Semesterferien. Ab Oktober mussten wir den Unterricht dann wegen des Semesterstarts auf zwei Tage in der Woche reduzieren.

 

Am 16.08.2015 hatten wir unseren ersten gemeinsamen Ausflug. Es war ein sehr lustiger Bowling Nachmittag.Viele unserer Schüler sind zum ersten Mal bowlen gegangen und haben es dafür sehr gut gemeistert. Solche Ausflüge wollen wir in Zukunft auf jeden Fall wiederholen.

Zum islamischen Opferfest waren wir dann gemeinsam iranisch Essen und haben jedem unserer Schüler ein kleines Geschenk mitgebracht.

Den Unterricht haben wir nun auch besser organisiert. Wir führen schon seit mehreren Wochen ein Kursheft, in dem jeder Lehrer nach dem Unterricht den Lernstoff seiner Schüler einträgt. So kann man schnell einsehen, was der Schüler zuletzt bearbeitet hat. Trotz Lehrerwechsel kann so ein effektiver Unterricht gewährleistet werden.

In Zukunft versuchen wir unseren Unterricht weiter zu optimieren. Aktuell soll eine Regelmäßigkeit bei den Schüler-Lehrer Paarungen erreicht werden und in größeren Lerngruppen gelernt werden, ohne das Augenmerk auf den individuellen Schüler zu verlieren.

Wir hoffen weiterhin auf ein erfolgreiches Projekt.

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